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TerraManager: Wie aus meiner eigenen Tierhaltung eine kostenlose Open-Source-App entstand

Über 75 Boxen, mehr als 55 einzeln erfasste Tiere und eine kostenlose App, die den Haltungsalltag erleichtert: TerraManager verbindet QR-Code-Verwaltung, Fütterungsdokumentation, Erinnerungen und Tierhistorien - vollständig offline, ohne Tracking und als Open-Source-Projekt.

Ronny Eichler8 Min. Lesezeit

Über 75 Boxen, mehr als 55 einzeln erfasste Tiere und eine einfache Idee: Warum sollte die Dokumentation der Tierhaltung komplizierter sein als nötig?

Wer mehrere Vogelspinnen hält, kennt vermutlich die Situation: Man steht vor einem Terrarium und überlegt, wann das Tier zuletzt gefüttert wurde. War die letzte Häutung vor drei Monaten oder doch schon länger her? Und welche der zahlreichen Aufzuchtboxen war eigentlich noch einmal die richtige?

Bei wenigen Tieren lässt sich vieles noch gut im Gedächtnis behalten. Mit einem wachsenden Bestand wird das allerdings zunehmend schwieriger.

Genau vor dieser Herausforderung stand auch ich. In meiner eigenen Haltung pflege ich seit vielen Jahren verschiedene Vogelspinnen, andere Wirbellose und Schlangen. Inzwischen verwalte ich mit meiner App TerraManager über 75 Terrarien und Aufzuchtboxen sowie mehr als 55 einzeln erfasste Tiere.

Um mir die tägliche Dokumentation zu erleichtern, habe ich angefangen, eine eigene Anwendung zu entwickeln.

Aus dieser zunächst kleinen Idee ist mittlerweile ein umfangreicheres Open-Source-Projekt entstanden, das seit Oktober 2026 kostenlos im Google Play Store verfügbar ist.

Hinweis: Ich bin selbst der Entwickler von TerraManager. In diesem Gastbeitrag möchte ich erklären, warum ich die Anwendung entwickelt habe, wie ich sie im Alltag einsetze und welche Möglichkeiten sie anderen Terrarientierhaltern bietet.

Von der Zettelwirtschaft zur digitalen Tierverwaltung

Die grundlegende Idee hinter TerraManager ist einfach: Informationen zu einem Tier sollen möglichst schnell dort verfügbar sein, wo sie gebraucht werden – direkt am Terrarium.

Natürlich lassen sich Fütterungen und Häutungen auch auf Papier oder in Excel-Tabellen dokumentieren. Solche Lösungen können durchaus sinnvoll sein.

Mich störte allerdings, dass ich zum Nachschlagen oder Eintragen immer wieder nach dem richtigen Datensatz suchen musste.

Ich wollte stattdessen eine Anwendung, mit der ich ein Terrarium einfach mit dem Smartphone scannen und unmittelbar alle zugehörigen Informationen aufrufen kann.

So entstand die QR-Code-Verwaltung, die bis heute das zentrale Element von TerraManager bildet.

Boxen und Tiere getrennt verwalten

In TerraManager werden Terrarien beziehungsweise Aufzuchtbehälter als sogenannte Boxen angelegt. Jeder Box können anschließend ein oder mehrere Tiere zugeordnet werden.

Das ermöglicht auch die Dokumentation von Gruppenhaltung, beispielsweise bei Arten, für die eine gemeinschaftliche Haltung geeignet ist.

Die Anwendung erlaubt dabei weiterhin individuelle Tierprofile. Auch wenn mehrere Tiere dieselbe Box bewohnen, können ihre Fütterungen und weitere Ereignisse getrennt dokumentiert werden.

Für jedes Tier lassen sich beispielsweise der wissenschaftliche Name, das Geschlecht, Geburtsinformationen, Fotos, Notizen und relevante Haltungsparameter erfassen.

Zusätzlich können Terrarien mit eigenen Bildern, Abmessungen und weiteren Informationen hinterlegt werden.

Terrarien-Übersicht
Tier-Übersicht mit aktiven Fütterungserinnerungen

Ein QR-Code an jedem Terrarium

Die QR-Code-Funktion ist für mich persönlich der größte praktische Vorteil der Anwendung.

Beim Anlegen einer Box erhält diese automatisch eine eindeutige QR-Kennung. Der zugehörige Code kann anschließend ausgedruckt und am Terrarium angebracht werden.

TerraManager bietet dafür verschiedene Exportmöglichkeiten: einzelne Bilddateien, ein ZIP-Archiv mit mehreren Codes oder druckfertige A4-PDF-Seiten.

Auch sehr kleine QR-Codes sind möglich, was besonders bei Aufzuchtbehältern von Spiderlingen hilfreich sein kann.

Im täglichen Gebrauch muss ich anschließend lediglich den Scanner in der App öffnen und den Code der jeweiligen Box erfassen.

TerraManager erkennt die Box und zeigt mir die zugehörigen Daten an. Ich kann nachsehen, welche Tiere sich darin befinden, wann sie gefüttert wurden oder welche Ereignisse bereits dokumentiert sind.

Der QR-Code selbst enthält übrigens keine privaten Tier- oder Haltungsdaten, sondern lediglich eine eindeutige Kennung der Box. Die Zuordnung erfolgt in der lokalen Datenbank.

 

QR-Code am Terrarium
Terrarium-Details

Fütterungen direkt beim Tier dokumentieren

Besonders praktisch wird das System bei der regelmäßigen Fütterung.

Anstatt erst eine Liste zu öffnen und nach dem richtigen Tier zu suchen, kann ich einfach den QR-Code des betreffenden Behälters scannen.

Dafür gibt es in TerraManager einen eigenen QR-Fütterungsmodus.

Nach dem Scannen werden die Tiere angezeigt, die sich aktuell in der jeweiligen Box befinden. Anschließend können diejenigen ausgewählt werden, die tatsächlich gefüttert wurden.

Das funktioniert sowohl bei einzeln gehaltenen Tieren als auch bei mehreren Tieren innerhalb einer Box.

Für jedes ausgewählte Tier wird ein eigener Fütterungseintrag erstellt.

Gerade bei Gruppenhaltung ist das hilfreich, da nicht zwangsläufig jedes Tier einer Gruppe bei jeder Fütterung Nahrung annimmt.

Die erfassten Fütterungen bleiben in der jeweiligen Tierhistorie nachvollziehbar. Dort bleiben Datum und Uhrzeit nachvollziehbar; Angaben zum Futter lassen sich bei Bedarf in den Notizen festhalten.

Das spart mir vor allem bei einer größeren Zahl an Behältern mehrere Arbeitsschritte.

Erstellen einer Fütterung im QR-Fütterungsmodus

Erinnerungen, Häutungen und weitere Ereignisse

Neben der Fütterungsdokumentation gibt es weitere Funktionen, die gerade für Vogelspinnenhalter interessant sein können.

Für jedes Tier lässt sich eine individuelle Fütterungserinnerung einrichten. Dabei können entweder feste Intervalle oder bestimmte Wochentage festgelegt werden.

Die App zeigt anschließend an, welche Fütterungen fällig sind und welche Termine bevorstehen.

Diese Erinnerungen sollen natürlich keine starren Fütterungsregeln vorgeben. Ob ein Tier tatsächlich gefüttert werden sollte, hängt weiterhin von Art, Entwicklungsstadium, Ernährungszustand und weiteren Haltungsbedingungen ab.

Gerade bei Vogelspinnen ist es wichtig, etwa Häutungsphasen oder längere Futterpausen richtig einzuordnen.

Dafür können Häutungen separat dokumentiert werden. Die entsprechenden Einträge bleiben mit Datum und optionalen Notizen in der Tierhistorie erhalten.

Auch Gewichtsverläufe, Bilder und weitere Informationen lassen sich festhalten.

So entsteht mit der Zeit eine nachvollziehbare Dokumentation der Entwicklung einzelner Tiere.

Fütterungshistorie eines Tieres
Fütterungstermine für Tiere mit aktivierter Erinnerung

Fotos, Umsetzungen und langfristige Dokumentation

Gerade bei der Haltung von Jungtieren können sich Aussehen und Größe innerhalb relativ kurzer Zeit deutlich verändern.

Deshalb können in TerraManager zu jedem Tier mehrere Fotos gespeichert werden.

Die Bilder lassen sich in einer Galerie betrachten und im Vollbild vergrößern. So können beispielsweise verschiedene Entwicklungsstadien miteinander verglichen werden.

Auch Umsetzungen in andere Behälter sind möglich. Die Zuordnung zwischen Tier und Box kann entsprechend angepasst werden.

Werden Tiere oder Boxen nicht mehr aktiv geführt, können sie archiviert werden, ohne dass ihre bisherigen Informationen verloren gehen.

Für mich war das ein wichtiger Punkt: Die Dokumentation soll nicht einfach verschwinden, nur weil ein Tier umgesetzt, abgegeben oder ein Behälter außer Betrieb genommen wurde.

 

Bildgalerie
Chronologische Liste archivierter Boxen und Terrarien

Kostenlos, Open Source und ohne Tracking

Ein weiterer Punkt war mir bei der Entwicklung besonders wichtig: Die Daten der Tierhalter sollen den Tierhaltern gehören.

Viele digitale Anwendungen setzen inzwischen Benutzerkonten, Cloud-Speicherung oder dauerhafte Internetverbindungen voraus.

Für eine private Dokumentation der eigenen Tierhaltung halte ich das nicht für erforderlich.

Deshalb wurde TerraManager nach einem konsequenten Offline- und Privacy-First-Prinzip entwickelt.

Die eigenständige Android-App funktioniert ohne Internetverbindung. Tierdaten, Bilder und Fütterungseinträge werden lokal auf dem Gerät gespeichert.

Es gibt:

  • keine verpflichtende Registrierung und kein Benutzerkonto,

  • keine Werbung oder In-App-Käufe,

  • kein Tracking und keine Entwickler-Analytics,

  • keine vom Entwickler betriebene Cloud zur Speicherung der Tierdaten.

Damit die Daten beispielsweise beim Wechsel des Smartphones nicht verloren gehen, können vollständige Backups erstellt und bei Bedarf wiederhergestellt werden. Diese lassen sich optional mit einem Passwort schützen.

Für Halter, die eine Sammlung gemeinsam betreuen, existiert außerdem ein optionaler Shared-Care-Modus. Dabei können mehrere Personen über einen selbst betriebenen Server im lokalen Netzwerk auf eine gemeinsame Sammlung zugreifen. Dieser Modus ist unabhängig von der normalen lokalen Android-Nutzung und muss bewusst eingerichtet werden.

Darüber hinaus ist TerraManager vollständig Open Source. Der Quellcode steht unter der GNU GPL v3 öffentlich zur Verfügung.

Wer sich mit Softwareentwicklung beschäftigt, kann sich also selbst ansehen, wie die Anwendung funktioniert.

Ein Projekt aus der Terraristik – für die Terraristik

TerraManager ist nicht als kommerzielles Produkt entstanden.

Ich wollte zunächst einfach ein Werkzeug entwickeln, das mir meine eigene Tierhaltung erleichtert.

Mittlerweile ist daraus ein Projekt geworden, das auch andere Halter nutzen können – egal ob für wenige Terrarien oder einen größeren Bestand.

Die Anwendung ist auch nicht ausschließlich auf Vogelspinnen beschränkt. Sie lässt sich ebenso für andere Spinnentiere, Reptilien, Amphibien und verschiedene Wirbellose verwenden.

Natürlich ersetzt eine App weder Fachwissen noch die regelmäßige Kontrolle der Tiere und ihrer Haltungsbedingungen.

Sie kann aber helfen, Informationen übersichtlich zu organisieren, wiederkehrende Aufgaben nachvollziehbar zu dokumentieren und den Alltag mit einem größeren Tierbestand etwas einfacher zu gestalten.

TerraManager wird weiterhin aktiv entwickelt. Rückmeldungen, Fehlerberichte und Verbesserungsvorschläge aus der Terraristik-Community sind ausdrücklich willkommen.

Besonders interessant sind für mich Erfahrungen von Haltern, die die App tatsächlich im Alltag nutzen und vielleicht ganz andere Anforderungen haben als ich selbst.

TerraManager kostenlos ausprobieren

Die Android-App ist kostenlos im Google Play Store verfügbar. Weitere Informationen, Anleitungen und den öffentlich einsehbaren Quellcode gibt es auf der Projektwebsite und bei GitHub.

Google Play Store:
https://play.google.com/store/apps/details?id=com.codefrog.terramanager

Projektwebsite mit deutscher Anleitung:
https://codefrogcf.github.io/TerraManager/

Quellcode und Entwicklung auf GitHub:
https://github.com/CodefrogCF/TerraManager

Wer TerraManager ausprobiert, kann mir gerne Rückmeldung geben – unabhängig davon, ob es sich um Lob, konstruktive Kritik oder Ideen für zusätzliche Funktionen handelt.

Denn letztlich ist genau das der Gedanke hinter dem Projekt: ein kostenloses, offenes Werkzeug, das aus den tatsächlichen Bedürfnissen von Terrarientierhaltern entsteht und gemeinsam mit ihnen weiterentwickelt werden kann.


Über den Autor: Ronny ist Softwareentwickler, langjähriger Terrarientierhalter und Entwickler von TerraManager. Unter dem Namen Codefrog entwickelt er quelloffene Softwareprojekte. TerraManager entstand ursprünglich für die Verwaltung seiner eigenen Vogelspinnen, anderen Wirbellosen und Schlangen.

Ronny Eichler
Author: Ronny Eichler

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